Pionierin bei den Schwingern abgetreten

Silvia Wilhelm neues Ehrenmitglied des Aargauer Schwingerverbandes

Nach 15-jährigem Präsidium beim Schwingklub Zofingen und Umgebung ist die Safenwilerin Silvia Wilhelm nach einjähriger «Verlängerung» auch als Sekretärin aus dem Aargauer Kantonalvorstand zurückgetreten. Weil die Delegiertenversammlung coronabedingt nicht stattfinden konnte, verliehen die Stimmberechtigten der Tochter des Schwingerkönigs von 1958 in Freiburg, Max Widmer, auf dem Zirkularweg die Ehrenmitgliedschaft.

Wie schon ihrem Partner Daniel Dreier, der im März mit der Ehrenmitgliedschaft des Eidgenössischen Schwingerverbandes bedacht wurde, blieb ihr eine feierliche Ehrung verwehrt. «Das belastet mich nicht, denn vielen anderen geht es auch so», tröstet sie sich. «Wir hatten die letzte kantonale Vorstandssitzung im Oktober. Damit ging meine Amtszeit zu Ende.»

Erfahrung als Sportfunktionärin

Silvia Wilhelm-Widmer hatte im Turnwesen eine Funktionärslaufbahn bis hinauf in den Schweizerischen Turnverband durchlaufen. Sie diente zuerst als Gymnastikspezialistin, danach als Jugendverantwortliche. Ihre Fähigkeiten entdeckte auch der Schwingklub Zofingen. Seit Kindheit war sie vertraut mit dem Schwingerwesen und diente als Helferin. Nach zwei Jahren als Vereinskassierin übernahm sie 2004 das Präsidium. Damit war sie in der Deutschschweiz die erste Frau auf einem solchen Posten. «Dass ich nach meinen Aufgaben im Turnwesen gleich Funktionen bei den Schwingern übernahm, hatte ich nicht so vorgesehen», blickt sie zurück. Als Königstochter war sie mit den speziellen Schwingersitten vertraut und brauchte als Klubpräsidentin keine Anlaufzeit.

Mit Leistung überzeugt

Während ihr die Zofinger Ehrenmitglieder sofort Respekt zollten, spürte sie anfänglich Skepsis im Kantonalvorstand, in dem sie als Zofinger Vertreterin Einsitz nahm. Sie erfüllte aber ihre zugeteilte Aufgabe. «Ich habe vom Vater gelernt, etwas durchzuziehen und mich nicht mit Halbheiten zu begnügen.» In den letzten Jahren verwandelte sich das Sekretariat des Aargauer Schwingerverbandes dank Wilhelms Organisationstalent in eine effiziente Dienstleistungsstelle. Sie wirkte auch bei der Umstrukturierung der Verbandsführung mit und sagt dazu: «Wir haben Funktionen mit einer klaren Aufgabe geschaffen. Dafür sind auch Frauen geeignet.» Entsprechend gehörten in den letzten Jahren weitere weibliche Mitglieder dem Kantonalvorstand an.

Nun trat die Pionierin ab. Beruflich ist die 56-jährige Safenwilerin weiterhin Personalverantwortliche in der Gemeinde Aarburg. Privat hofft sie nach über drei Jahrzehnten als Sportfunktionärin auf ruhigere Zeiten, um sich vermehrt ihren Enkelkindern widmen zu können.

Silvia Wilhelm

Wolfgang Rytz, Zofinger Tagblatt, 18. Dezember 2020