Geschichte des Niklaus Thut Schwingens

Da Ende der 70-er Jahre der Terminkalender der Schwinger immer dichter, die Übernahme des Frühjahr-Schwinget durch einen Turnverein immer schwieriger wurde, suchte man im Schwingklub Zofingen nach neuen Lösungen. Das Frühjahrs- und Herbst-Schwinget sollte zusammengelegt und in eigener Regie durchgeführt werden. Da auch der Zuschaueraufmarsch zu wünschen übrig lies, ging man auch auf die Suche nach einem eventuellen neuen Standort. Anstelle der Medaillen wollte man auch Gaben oder zumindest einen Einheitspreis abgeben.

An der Vorstandssitzung vom 20. Mai 1980 wurde dann das eigentliche Niklaus-Thut-Schwinget geboren und ein Grobkonzept festgelegt. Das Schwingfest sollte nach den Sommerferien abgehalten werden und einen grösseren Rahmen (80 bis 100 Schwinger) erhalten und sich in Schwingerkreisen einen guten Namen schaffen.

Auf der Suche zu einem passenden Namen wurde man schnell fündig. Was war naheliegender als der Name des Zofinger Stadthelden in der Schlacht bei Sempach. NIKLAUS-THUT-SCHWINGET sollte dieser Anlass in Zukunft heissen. Damit wurde auch die Verbundenheit der Schwinger mit dem Thutstädtchen Zofingen einmal mehr eindrücklich dokumentiert.

Etwas mehr Kopfzerbrechen bereitete den Verantwortlichen jedoch die Standortfrage. In allen Köpfen geisterte nur ein Namen herum, der Heiternplatz. Dazu gab es aber viele Fragezeichen. Erteilt der Stadtrat überhaupt dazu die nötige Bewilligung? Wie lösen wir das Problem der Infrastruktur? Denn Strom, Wasser, Abwasser, Abfallentsorgung, Garderoben und Duschen, Parkplätze gehören heute zu einem Schwingfest wie Stumpen, Bier und Bratwurst. Das Risiko war den Verantwortlichen zu gross. Zu viele Details blieben offen und ein finanzielles Desaster konnte man sich nicht erlauben. Der Vernunft gehorchend entschloss man sich, auf die Wiese bei der Stadtsaalturnhalle auszuweichen, wo für die Durchführung eines Schwingfestes eigentlich ideale und erprobte Voraussetzungen bestanden.

Der Niklaus-Thut-Schwinget sollte ein ganztägiger Anlass werden. Um einen flüssigen Tagesablauf zu gewähren, wurden auch die Jungschwinger miteinbezogen. Damit wurde bezweckt, dass 50 bis 60 Buben aus der Region eine weitere Startgelegenheit geboten wird. Die Jungen hatten auch die Möglichkeit, am gleichen Fest mit ihren schwingerischen Vorbildern teilzunehmen. Auch hoffte man in Schwingerkreisen auf einen grösseren Zuschaueraufmarsch. Da an den bisherigen Rangschwinget nichts oder nur wenig zu verdienen war, glaubte man auch im finanziellen Bereich etwas zu profitieren. Da ja bekanntlich zum Schwingen auch Folklore gehört, wollte man auf diesem Gebiet den Zuschauern eine bunte Palette bieten.

An der Generalversammlung vom 5. Dezember 1980 wurde das ganze Konzept gutgeheissen und der Starschuss für ein Schwingfest gegeben, welches sich über Zofingen hinaus einen guten Namen schaffen und das Schwingen in der Bevölkerung wieder besser verankern soll. Der Niklaus-Thut-Schwinget soll zu einem jährlichen Treffpunkt von Schwingern, Politikern und Vertretern aus Industrie und Gewerbe sowie der breiten Bevölkerung der Region Zofingen werden.

Als erster OK-Präsident amtete Martin Dossenbach. Voller Elan ging das OK zur Sache und so war es auch nicht verwunderlich, dass bereits dem ersten Niklaus-Thut-Schwinget in jeder Hinsicht ein voller Erfolg beschieden war. Mit dem Basler Eidgenossen Jörg Schneider stand am Abend ein würdiger Sieger auf dem obersten Treppchen. Durch das Mitwirken des Jodlerklub Edelweiss Zofingen, der Aarauer „Schwyzerörgeli-Fründe“ und der Länderkapelle „Roggehuse-Musig“ erhielt das Fest einen würdigen Rahmen. Mit einem stolzen Reingewinn von Fr. 8’926.05 wurde der ganze Anlass noch mächtig versüsst.

OK-Präsident vom 2. bis 7. Niklaus-Thut-Schwinget war unser Schwingerkönig Max Widmer. Umsichtig und mit viel Engagement führte er das OK. Er war stets darauf bedacht, das ganze Fest zu optimieren und die Details zu verbessern. Dies kam Jahr für Jahr zum tragen. Dadurch erhielt das Niklaus-Thut-Schwinget innerhalb des NWSV bald einen sehr hohen Stellenwert.

Die 8. bis 10. Auflage wurde wiederum von unserem ersten OK-Präsidenten Martin Dossenbach geführt. Zum ersten Höhepunkt in der jungen Geschichte des Niklaus-Thut-Schwingets wurde das Jubiläum der 10. Austragung. Ein Qualitativ wie Quantitativ hochstehendes Teilnehmerfeld kämpfte um den Siegerpreis Muni „Ringgi“. In einem dramatischen Schlussgang entschied Matthäus Huber die Partie gegen Stefan Schlachter praktisch im letzten Augenblick zu seinen Gunsten und entführte „Ringgi“ auf den Eppenberg.

Bei der 11. bis 14. Austragung des Fests oblag die Führung des Organisationskomitees Hansruedi Hauri. Dabei fand die 12. Auflage des nun bereits traditionellen Anlasses, verbunden mit dem Jubiläum 75 Jahre Schwingklub Zofingen, endlich auf dem Heiternplatz in Zofingen statt. Ein lang ersehnter Wunsch ging damit in Erfüllung. Das initiative OK hat keine Mühe und Arbeit gescheut, dem Jubiläum innerhalb des Lindenvierecks einen würdigen Rahmen zu geben. Auch dieses Fest wurde wiederum von Matthäus Huber gewonnen.

Für die Durchführung der Fest 15. bis 18. zeigte Felix Kunz verantwortlich. In seine Ära viel auch die Ausnahme eines Hallenschwingets im Jahr 2000 und die erfolgreiche Durchführung des Kantonalen Schwingfests 2001 in Rothrist. Immer wenn Schwingfeste von grosser Bedeutung im Bezirk Zofingen durchgeführt werden, setzt das vereinseigene Schwingfest für ein Jahr aus.

Seit dem 19. Fest steht Hans-Ulrich Schär an der Spitze des Organisationskomitees. Das Fest hat sich in all den Jahren den Gegebenheiten angepasst. Es gibt keinen fixen Durchführungstermin sondern man richtet sich nach dem Schwingkalender. In der Regel treten 40 bis 60 Aktive um die schönen Gaben an. Grosse Freude bereiten die rund 100 Jungschwinger, welche sich alljählrich in Zweikampf messen. Bleibt noch ein Wunsch, welcher all die Jahre eigentlich nie in Erfüllung ging: Ein Niklaus-Thut-Schwinget mit 1’000 Zuschauern. Vielleicht klappt es ja anlässlich der 30. Ausgabe im Jahr 2016?