Portrait Max Widmer

Max Widmer wurde am 17. November 1933 geboren und wuchs mit zwei älteren Brüdern Oftringer Ortsteil Lauterbach auf. Die Schule besuchte er Oftringen. Der tägliche Fussmarsch von zu Hause ins Schulhaus und wieder zurück war mitverantwortlich, dass Max schon damals eine gesunde Kondition und eine solide Grundkraft entwickelte.

Nach der Schulzeit arbeitete Max Widmer während elf Jahren als Briefträger bei der Post. Da zu dieser Zeit noch alles mit dem Fahrrad ausgetragen wurde, ermöglichte dies ihm ein tägliches Fitnesstraining bei der Arbeit. Max ist noch heute sehr sportlich und macht kleinere und grössere Velotouren. Nach dem Postdients war er während sieben Jahren bei der Firma „Elmer Citro“ im Aussendienst tätig. Danach wechselte er zu der Firma „Villiger Söhne“, bei welcher er bis zu seiner Pensionierung als Verkaufsleiter amtete.

Im Jahre 1946 bestritt Max als 13-Jähriger sein erstes Schwingfest beim Restaurant Tannenbaum in Vordemwald und erkämpfte sich den 3. Schlussrang. Er musste sich damals sogar noch zwei Jahre älter machen, gab es doch damals noch keine „Buebeschwinget“. Der Holzteller, welchen er damals erschwungen hat, hat noch heute einen Ehrenplatz in seinem eindrücklichen  Kranzkasten.

Damals durften die Jungschwinger noch gar nicht im Schwingkeller trainieren. So kam es, dass sein damaliger Nachbar, Freund und später wichtigster Förderer, Walter Flückiger mit Max und seinen Brüdern zusammen ohne Schwinghosen und ohne Sägemehl auf der Wiese beim Restaurant Bad Lauterbach die ersten Gehversuche im Schwingen absolvierten.

Im Jahre 1949, als Max die obligatorische Schulzeit beendet hatte, trat er dem Schwingklub Zofingen und Umgebung bei. Sein Bruder Adolf war zu dieser Zeit  Technischer Leiter des Klubs. „Mit ihm zusammen übten wir endlos verschiedene Schwünge. Sogar zu Hause am Tisch diskutierten wir über unsere verschiedenen Stärken und Schwächen um möglichst viele Fehler auszumerzen. Auch trainierten wir bei diversen anderen Schwingklubs damit wir vielseitiger wurden.“

Mit 17 Jahren gewann Max Widmer am Nordwestschweizerischen in Reinach BL seinen ersten Kranz. Das war für ihn ein weiterer, wichtiger Meilenstein in seiner Karriere  und motivierte ihn auch zugleich, dass er sich diesem Sport mit Leib und Seele verschrieb. Drei Jahre später, nach der Rekrutenschule, trat er dem Turnverein Oftringen bei, denn dies ermöglichte mehr Abwechslung und Bewegungs-möglichkeiten,  was den Sportbegeisterten auch noch zum Nationalturnen brachte. Zudem begann Max erfolgreich zu Ringen. Er gewann in dieser Sportart drei Mal den Schweizer Meistertitel im Schwergewicht.

Von 1956 bis 1962 trat Max Widmer seinen eigentlichen, unvergleichbaren Siegeszug über die Schwingplätze an und hat während dieser Zeit keinen einzigen Gang verloren. Diese Serie von Siegen führte ihn dann im Jahre 1958 zum eigentlichen Höhepunkt, nämlich dem  Königstitel in Freiburg mit 8 gewonnen Gängen. Max hat in dieser Zeit fast alle Schwingfeste sowie Teilverbandsfeste mindestens einmal oder mehrmals gewonnen. Max Widmer erkämpfte sich  95 Kränze als Schwinger, Nationalturner und Ringer. Seine Gegner fürchteten vor allem seine perfekten  Schwünge Kurz, Gammen, Buur und Bodenlätz. Max absolute Stärke und unbändiger Wille war es, den Gegner am Boden nie mehr loszulassen.
Im Zusammenhang mit seinem Königstitel bleibt Max als ganz besonderes Ereignis der Empfang auf der Kreuzung in Oftringen in Erinnerung. Das Gefühl, als über 5000 Schwingerfreunde und Schaulustige die Oftringer Strassen säumten, um ihren Schwingerkönig zu empfangen und zu feiern, bleibt unvergesslich.  Eine ganz grosse Freude bereitete ihm auch das Empfangsfest, welches seine Heimatgemeinde Heimiswil  BE  zu seinen Ehren organisierte.
Max bekleidete anschliessend an seine Aktivzeit verschiedene Ämter und stellte seine grosse fachliche und soziale Kompetenz den Schwingverbänden lange Zeit zur Verfügung. Im Kantonalverband bekleidete er das Amt des Vizepräsidenten und im Nordwestschweizerverband amtete er zehn Jahre als Technischer Leiter. Er war der  erste Kampfrichterausbildner, welcher mit Hilfe von Videogeräten  eine gute und praxisnahe Ausbildung der Kampfrichter ermöglichte. Max war an vier Eidgenössischen Schwingfesten im Einteilungskampfgericht und wurde schlussendlich zum Ehrenmitglied des ESV ernannt.

Bei einem Interview äusserte sich Max Widmer wie folgt: „Beim Schwingen hat sich nur das Umfeld verändert. Die Schwünge und die Griffe blieben die gleichen. Die natürliche, körperliche Fitness, welche in der Dienstleistungsgesellschaft verloren gegangen ist, muss heute mit viel Aufwand zusätzlich aufgebaut werden. Ob diese Veränderungen gesund und gut sind, bleibt eine offene Frage. Ich hoffe, dass der schöne Schwingsport in seiner traditionellen Form möglichst lange erhalten bleibt.“