Klubgeschichte

Schwingklub Zofingen und Umgebung

gegründet 1919

Geprägt durch aussergewöhnliche Persönlichkeiten

Der kleine Überblick über 87 Jahre Klubgeschichte zeigt, dass der Schwingklub Zofingen und Umgebung im gesellschaftlichen Leben des Westaargaus zu Recht grosse Annerkennung und Wertschätzung geniesst, nicht zuletzt dank der unterschiedlichen starken Charaktere, die dem Klub ihren Stempel aufgedrückt haben.

Aus den Chroniken
Der Schwingklub Zofingen wurde in zwei Schritten gegründet: Es war 31. Januar 1919, als die einige Turner der Einladung Emil Bachmanns Folge leisteten und sich im Raben in Zofingen zusammenfanden, um die Gründung eines Schwingklubs zu besprechen und in die Wege zu leiten. Das Initiativkomitee hat dann in drei Sitzungen die Statuten beraten und nachfolgend auf den 9. Februar 1919 zu einer konstituierenden Versammlung eingeladen. An der Geburtstunde des Klubs waren trotz Schneesturm und verschneiten Strassen 57 Schwinger und Schwingerfreunde anwesend, wobei sich 43 als Aktive und 14 als Passive in den Klub aufnehmen liessen. Über die Historie des Klubs geben die Jubiläumschriften zum 10-, 25-, 50- und 75-jährigen Bestehen bestens Auskunft und reflektieren hervorragend die Geschehnisse während den entsprechenden Epochen. Weitergehende zum Klub als auch aktuelle Informationen findet man im Internet auf der Vereinshomepage www.sk-zofingen.ch. Als letzter Höhepunkt der Vereinsgeschichte sei an dieser Stelle die Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbands 2005 in Zofingen erwähnt.

Aussergewöhnliche Persönlichkeiten
Für den Schwingklub Zofingen haben immer wieder aussergewöhnliche Persönlichkeiten viel die Ehre eingelegt. 1941 erreicht die Klubgeschichte durch die Wahl von Emil Bachmann, seit 1934 Ehrenpräsident des Schwingklubs Zofingen, zum Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes – ihren ersten Höhepunkt. Seine Amtszeit endet 1948, welche durch den zweiten Weltkrieg geprägt war. In seinem Todesjahr 1958 kommt es zum sportlichen Höhepunkt. Am Eidgenössischen in Freiburg, dem absoluten Saisonhöhepunkt, spielt Max Widmer eine wahre Bombenform aus. Auch berühmte, sieggewohnte Schwinger wie Walter Flach (zweimal), Hans Münger, Kurt Schild und Otto Brändli haben an diesen unvergesslichen Tagen überhaupt keine Chancen gegen ihn und werden wie alle anderen Gegner in glänzender Manier besiegt und ins Kurzholz befördert. Der Beste hat gewonnen, Max Widmer ist verdientermassen Schwingerkönig. Dadurch fiel dem Klub auch die Ehre zu, einer derjenigen wenigen zu sein, welcher einen Schwingerkönig zu seinen Reihen zählen darf. 1979 wird mit Hans Bäni ein zweites Klubmitglied von der Abgeordnetenversammlung zum Obmann des Eidgenössischen Schwingerverbandes gewählt. In seine Amtszeit fallen die Eidgenössischen Schwingfeste 1980 in St. Gallen und 1983 in Langenthal sowie der Unspunnenschwinget 1981. Im folgte in diesem Amt 2002 Hans Pauli nach. Er kürte den Schwingerkönig 2004 in Luzern und wird dies 2007 in Aarau tun. 2006 wurde zudem in seiner Amtszeit der 2005 wegen Hochwassers verschobene Unspunnenschwinget nachgeholt. Mit einem Schwingerkönig und drei Obmännern nimmt der Schwingklub Zofingen gesamtschweizerisch eine Sonderstellung ein. Dies schlägt sich auch bei den Ehrenmitgliedern auf Eidgenössischer Ebene nieder: Die Klubmitglieder Max Widmer, Walter Gyger, Hans Bäni, Martin Dossenbach und Robert Zimmerli gehören diesem exklusiven Kreis an. Damit gehören fünf von acht Eidgenössischen Ehrenmitgliedern aus dem Kanton Aargau dem Schwingklub Zofingen an.

Schwingerische Glanzpunkte
Der Königstitel von Max Widmer ist und bleibt zwar der herausragende schwingerische Glanzpunkt. Doch auch im letzten Vierteljahrhundert gab es einige schöne Erfolge zu feiern. 1980 durch Hans Pauli und 1995 durch Peter Schär konnte zwei Mal eidgenössisches Laub erobert werden. Den Siegerpreis gleich drei Mal in Empfang nehmen durfte der Kirchleerauer Roger Schenk. Er obsiegte am Solothurner Kantonalschwingfest 2001 (Lauperstorf) und 2003 (Büsserach) und 2001 am Nordwestchweizer Teilverbandsfest in Laufen.

Klein aber oho
Das nicht noch mehr Siege oder Spitzenplatzierungen erreicht wurden, liegt nicht im technischen sondern im körperlichen Bereich. Viele der „Bösen“ Zofinger konnten mit ihrem Körpergrösse leider nicht mit den Besten mithalten. Trotzdem erreichten etwa Valentin Bosshart, Ernst Leu, die Gebrüder Eggen, Stefan Kunz, die Gebrüder Arnold ausgezeichnete Resultate und stellten dem einen oder anderen Favoriten ein Bein. So bettete etwa Valentin Bosshart an einem Allweg-Schwinget den amtierenden Schwingerkönig Ernst Schläpfer ins Kurzholz beförderte. Unter dem Begriff „klein“ können natürlich auch die Jungschwinger verstanden werden. Dieser Bereich liegt dem Klub sehr am Herzen und die Nachwuchsarbeit wird nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt.

Integrierte Ausländer
In einen weiteren Bereich steht der Schwingklub an vorderster Front – der Integration von ausländischen Mitbürgern ins Schweizer Brauchtum. Der Kranzschwinger Kadri Jsufi, in seiner Heimat ein gefürchteter Ringer. ist dafür der beste Beweis und seine beiden Buben mischen im Nachwuchsbereich wacker mit. Auch die Gebrüder Tüzün (mit einer Urner Mutter) können an dieser Stelle als gutes Beispiel angeführt werden.

Niklaus Thut Schwinget
Da Ende der siebziger Jahre der Terminkalender der Schwinger immer dichter, die Übernahme des Frühjahrsschwingets durch einen Turnverein immer schwieriger wurde, suchte man nach neuen Lösungen. Das Frühjahrs- und Herbstschwinget sollte zusammengelegt und in eigener Regie durchgeführt werden. Auf der Suche zu einem passenden Namen wurde man eigentlich sofort fündig. Was war nahe liegender, als der Name des Zofinger Stadthelden in der Schlacht bei Sempach? NIKLAUS THUT-SCHWINGET sollte dieser Anlass in Zukunft heissen. Damit wurde auch die Verbundenheit der Schwinger mit dem Thutstädtchen Zofingen einmal mehr eindrücklich dokumentiert. Seit 1980 wurde das Fest 21 Mal durchgeführt und zählt manch namhaften Sieger. Ausgelassen wurde das Fest nur wenn ein grösser Anlass in der Region zu organisieren war. Dies war in den Jahren 1984, 1993 und 2001 mit dem Aargauer Kantonalen und 1995 mit dem Nordwestschweizer Schwingfest der Fall.

Starke Frauen
Auch das „schwache“ Geschlecht stellt im Klub „ihren“ Mann. Vizestadtammann Dilli Schaub präsidierte 1993 als erste Frau das Organisationskomitee eines Aargauischen Kantonalschwingfests, der 86. Austragung in Zofingen. Ende des gleichen Jahres wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft des Klubs verliehen, notabene hier auch als erster Frau. Mit Silvia Willhelm-Widmer übernahm 2004 die Tochter von Schwingerkönig Max das Präsidiums des Klubs. Damit ist sie die erste Frau, die in der Deutschschweiz einem Schwingklub vorsteht.